Reisebericht Lissabon

 

 

Die Stadt

 

Geographisch

 

Lissabon ist wie Rom auf sieben Hügeln erbaut und liegt am riesigen Tejo Delta, das sich beinahe schon wie offenes Meer anfühlt. Zwar sieht man das gegenüberliegende Ufer noch, von dem eine riesige Christusstatue segnend herübergrüßt, doch die Breite des Deltas ist gewaltig beeindruckend. Unterstrichen wird diese Dimension noch von der schier endlosen Autobahnbrücke zum Ufer drüben. Sie ist aber nicht die Schwester der Golden Gate Bridge, wie häufig erzählt wird, sondern ist mit der San Francisco Oakland Bay Bridge und der Forth Road Bridge in Edinburgh bauähnlich. (Zum Angeben)

Wegen besagter Hügel: die Straßen und Gassen gehen teilweise stramm rauf und runter, wer Lissabon besucht, sollte darauf vorbereitet sein. Diese Straßen und Gassen bringen uns aber auch immer wieder zu unglaublichen Aussichtspunkten über die Stadt und den Tejo.

Und dort unten, wohin sich jetzt unser Blick wendet, wurden mal die Schiffe von Vasco da Gama gebaut, beeindruckend!

Trotz des strammen Rauf und Runter ist es ratsam, vieles zu Fuß zu erkunden, dem Fußgänger offenbart sich die (Alt)Stadt deutlich intimer als das in einem Fahrzeug möglich wäre.

Auf Fahrzeuge und Verkehr kommen wir später noch…

 

Wechselvolle Geschichte

 

Mauren, Römer und Spanier, wir schreiben hier kein Geschichtsbuch, wer es genau wissen möchte, sucht sich seine Quellen.

Eines war Portugal mit seiner Hauptstadt aber vor allem:

ein eigenes unabhängiges Königreich, eine Seefahrer- und Entdeckernation.

Davon gibt es jede Menge Anzeichen und Erinnerungen.

Mehr dazu in Reiseführern unter dem Themenpunkt „Sehenswürdigkeiten“

Mit den Entdeckungen und der Inbesitznahme der entdeckten Länder musste auch deren Sicherung erfolgen. Kriegsschiffe und befestigte Garnisonen wurden gebaut, wer sich dafür und für Seefahrtsgeschichte allgemein interessiert, geht ins maritime Museum, ins Museu de Marinha im Mosteiro dos Jeronimos im Stadtteil Belem.

Da dieser Stadtteil Belem ein Muss ist aus dem Kapitel „Sehenswürdigkeiten“ kann man den Besuch gut einplanen.

Wenn wir denn das  Kapitel  Sehenswürdigkeiten“ doch mal aufblättern: das Elektromuseum im MAAT ist beeindruckend. Es ist eigentlich die Geschichte des städtischen Kraftwerks, der Name ist irreführend. Das MAAT selbst ist im Preis mit drin war aber eher uninteressant zum Zeitpunkt unseres Besuches.

Beides findet sich ebenfalls in Belem, und noch das Seefahrerdenkmal und die Burg…

 

Weiter Geschichte

 

Ein verheerendes Erdbeben, zusammen mit einem Tsunami und einem Großbrand zerstörte im November 1755 große Teile der Stadt.

Der Wiederaufbau erfolgte in moderner, rechtwinkliger Städteplanung.

Von der ursprünglichen Altstadt mit maurischen Einflüssen sind noch Reste zwischen der Burg Castelo de Sao Jorge (da muss man rauf, aber der Anstieg ist wirklich steil) und Tejo Ufer vorhanden. Hier ist es eng, winklig und kuschelig.

Fußläufig ist hier auch die Kirche Santa Engracia zu erreichen, die zum nationalen Pantheon erklärt wurde und in der u.a. Vasco da Gama und auch der Fußballstar Eusebio beigesetzt sind.

Portugal wurde vom zweiten Weltkrieg verschont. Dafür wurde das Christus Standbild als Dank errichtet. Cristo Rei ist 28 m hoch und steht auf einem 75m hohen Sockel, der wiederum in 113m Höhe über dem Tejo am gegenüberliegenden Ufer steht. Kann man hin, muss man aus touristischen Gründen aber nicht.

Für viele Flüchtlinge war Portugal während des Krieges das Ausreiseland nach Amerika.

Ein (nicht repräsentativer) Ausflug zur Kultur:

Ein reicher Ölmagnat namens Calouste Gulbenkian blieb aber in Lissabon, statt nach Amerika zu gehen. Er vermachte der Stadt eine sehr umfangreiche Sammlung von Kunstwerken aller Couleur. Das Museum gleichen Namens haben wir nicht besucht, leider nicht. Im Flieger nach Hause haben wir ein sehr kultiviertes älteres Ehepaar kennengelernt, das in höchsten Tönen von ihrem Besuch dort schwärmte.

Auch nicht besucht haben wir das Museu da Design e da Moda. Es wird renoviert und dem Bauträger sind die finanziellen Mittel ausgegangen. Wiedereröffnung ungewiss.

Der Rest zur Stadtgeschichte:

Während des Krieges tummelten sich hier in Lissabon unzählige Agenten und Spione aller Seiten. Unverklärt und ohne Romantik. Und ohne Cafe Americain. Aber auch in Casablanca erhoffte man sich die Ausreise nach Lisboa.

 

Verkehr

 

Lissabon mit dem (eigenen) Auto?

Nein! Versuch es erst gar nicht. Wozu?  Es lohnt sich nicht.

Das, was Lissabon ausmacht, findet man in einem überschaubaren Bereich der Altstadt.

Hier kann man laufen, mit der Straßenbahn oder mit dem Bus fahren.

Weitere Strecken zu entfernteren Zielen macht man mit der gut organisierten und selbsterklärenden U-Bahn oder der Eisenbahn.

Es gibt keinen zentralen Hauptbahnhof, die Züge fahren von verschiedenen Stadtbahnhöfen je nach Ziel ab.

Mehr im echten Reiseführer.

Bei der Fahrt mit U-Bahn und Bahn waren wir etwas bedrückt ob der lieblosen Wohnsilos und Schlafstädte.

Also, das was Lissabon ausmacht, findet man in einem überschaubaren Teil der Altstadt.

Kehren wir dahin zurück.

Bus oder Straßenbahn. Und noch die Fähren und Lifte.

Die Straßenbahnlinie 28 ist berühmt in wird in jedem Reiseführer angepriesen.

Was ist dazu zu sagen?

Man steht an der ersten Station an, egal zu welcher Tageszeit. Mindestens drei Bahnen fahren ohne uns los. Wenn man dann drin ist und vielleicht sogar einen Sitzplatz ergattert hat, ist die Freude von kurzer Dauer.

Die Bahn ist spätestens bei der zweiten Station so voll, dass man nur noch einen Spalt Ausblick aus dem Fenster hat. Nix Rundumsicht und Altstadterlebnis. Besser zu Fuß!

Diese Linie also nicht. Außerdem gibt es viele echte Einwohner, die diese Bahn brauchen, alte Leute, für die diese Bahn ein echtes Nahverkehrsmittel ist und die nicht mitkommen, weil die Türen wegen Überfüllung nicht aufgemacht werden. Diese Linie also nicht.

Andere Linien gerne, die muss man natürlich für sich entdecken, welche Linie wann wohin.

Die Straßenbahnen scheinen öfter als Buslinien zu verkehren, kommen wohl auch besser durch, da ihnen mehr Respekt gezollt wird. Nötigenfalls steht dem Fahrer eine schrille Klingel zur Verfügung.

Bei Starkregen scheint das Verkehrssystem zu kollabieren, das haben wir allerdings nur kurz erlebt, daher ist diese Aussage noch nicht verifiziert.

Dann gibt es noch die Fähren, von denen sich eine kleine Linie mit Rundkurs empfiehlt. Sie startet in der Nähe des großen Platzes (etwas westlich, leicht zu finden) fährt ans andere Ufer zum Anleger beim Jesus (es sind noch vier Kilometer mit 120 Höhenmetern bis zur Statue) fährt dann nach Belem und kehrt zurück. Lohnt sich, ist eine nette Reise bei gutem Wetter, mit toller Aussicht.

Und dann gibt es noch die Bahnen und Lifte, für Menschen, die keine Steigungen mögen. Der berühmteste Lift, erbaut von einem Schüler von Gustave Eiffel, ist so belagert von Touristen, dass wir von dessen Benutzung Abstand genommen haben. Es reicht auch, ihn gesehen zu haben.

Und dann das vielleicht meistfotografierte Motiv in Lissabon:

die Straßenbahn, die sich unten vom Hafen steil in die Oberstadt wuchtet. Und nochmal San Francisco…

Die Tarife:

Vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, auch gekoppelt an Touristenkarten etc. sind möglich.

Muss man genau studieren…

Wer sich nicht durch diesen Dschungel kämpfen will, kauft sich Tagestickets und zahlt vielleicht etwas mehr. Insgesamt ist aber der öffentliche Nahverkehr im Vergleich zu uns sehr günstig.

Oder man geht zu Fuß.

Was noch dafür spricht:

Die Grünphasen an Fußgängerampeln sind lang, nur an sehr breiten Übergängen muss man sich sputen.

Autofahrer sind in der Regel höflich und rücksichtsvoll zu Fußgängern. Beim Abbiegen und an Zebrastreifen fällt dies direkt auf.

 

Wetter

 

In zehn Tagen ein halber Tag Regen, das ist noch keine Statistik. Da gibt es mehr Fachwissen an anderer Stelle. Aber Wind war immer.

Auffällig war, dass bei Regen überall in den Geschäften aufgewischt werden musste.

Ist mir halt aufgefallen, ohne Botschaft. Aber das könnte ein Hinweis darauf sein, dass man nicht wirklich auf Regen eingestellt ist.

 

Sehenswürdigkeiten, ja auch

 

Schafft man sowieso nicht alle, also entspannt angehen, eventuell wiederkommen.

Erstmal ankommen, ins Kaffee gehen, wirken lassen, Lissabon ist soo entspannt.

Die Sehenswürdigkeiten sind ohne die charmante Magie der Stadt, ohne die historische Ehrwürdigkeit und ohne die eigene entspannte Wahrnehmung dieser Mischung aus Trubel und Mitte nur aufgetürmte Mauersteine, die hastig abfotografiert werden müssen.

Was man gerne sehen möchte, hat man vielleicht schon zu Hause entschieden, hoffentlich nicht zu viel, jetzt erstmal ankommen.

P.S.

Das Pflaster verdient noch Aufmerksamkeit…

Es gibt tolle Muster im Pflaster, auch wellenförmige Ornamente, die eine dreidimensionale Wirkung haben. Und das Pflaster sieht nass aus, weil es so glattgetreten ist.

 

Ausflüge, Umgebung

 

Man kann mit dem Vorortzug (Bahnhof Cais do Sodre) nach Cascais und Estoril fahren und in diesen Badeorten rumstöbern.

Man sollte mit dem Zug (Bahnhof Rossio) nach Sintra fahren, die Sommerresidenz der ehemaligen Könige. Fanden wir sehr besuchenswert.

 

Einkaufen?

 

Hochmoderne Einkaufszentren gibt es auch, lohnen genauso wenig wie im Rest der Welt.

Genauso wenig wie an Kapstadts Waterfront.

Nette kleine Läden mit individueller Note sind in der Altstadt verstreut. Muss man entdecken, vielleicht zufällig. Portugal hat was los in Textil und Schuhen, Kunst und Keramik.

Unbedingt besuchen: Die LX Factory unter der Brücke.

Man kommt gut mit der Straßenbahn hin; sonntags zusätzlich Flohmarkt.

Lebensartläden, Kunst und Handwerk, jung frisch, semikommerziell.

Ganz starke Assoziation an Woodstock in Kapstadt.

Ganz hinten rechts ist ein netter Laden für Herren.

Essen kann man auch lecker, u.a. gibt es hier den weltbesten Schokoladenkuchen. Wirklich!

 

Wohnen

 

Wir haben über booking.com eine Unterkunft in der Altstadt gebucht, direkt am Museum da Farmacia. (das Museum hat ein Sternelokal, gegenüber kann man aber auch gut essen mit einer super Aussicht auf den Tejo)

Da hier überall Feiermeile ist, war es nachts auch mal lauter.

Vermutlich ist aber die gesamte Altstadt etwas laut, Müllwagen und andere Fahrzeuge drängen sich bergauf und bergab durch schmale Straßen und die Rollkoffer der an- und abreisenden Touristen rattern auf dem Pflaster. Nachts werden die Fenster geschlossen, eventuell nimmt man noch was für die Ohren zum Reintun mit.

Nettere Unterkunft evtl.: Lissabon-altstadt.de

Wurde uns empfohlen, es gibt dort auch Unterkünfte mit Dachterrasse oder Garten.

Alternativ: Wohnen in z.B. Cascais (Vorort) und 20 Minuten mit dem Vorortzug reinfahren.

Oder Luxushotel…..?

 

Essen

 

Um es kurz zu machen, zu essen und zu trinken scheint die absolute Lieblingsbeschäftigung der Lisboetas zu sein. Es gibt keinen Punkt in der Altstadt von dem aus es weiter als 50 Meter zu einem Restaurant oder Caffee ist. Essen, immer und überall, deftig und kräftig, viel Fisch.

Restauranttipps gibt es woanders, reinschauen sollte man mal in den Mercado da Ribeira gegenüber des Bahnhofes Cais da Sodre- ein riesiger Fresstempel mit Läden.

Und Süßes geht immer, aber das ist in Nordafrika noch ausgeprägter.

Portugal hat hervorragende Weine, die bei uns völlig unbekannt sind. Auch eine Nachfrage in einer renommierten hiesigen Weinhandlung brachte mir keine neueren Erkenntnisse, warum das so ist. Dort gab es auch nur zwei rote und drei weiße. Ziemlich ignorant…

 

Fazit:

 

Lissabon ist turbulent und ein Touristenmagnet, bietet eine Menge an Sehenswertem, ist fröhlich und charmant, viel Lebensqualität eben.

Die Menschen hier bekommen gleich noch ihre eigene Würdigung.

 

Die Mischung macht es also und:

 

Die Menschen

 

Aufgrund seiner Geschichte mit der Seefahrt und den Kolonien ist Portugal multikulturell.

Dazu kommen natürlich noch in Lissabon die vielen Touristen aus allen Ecken der Welt.

Die Stimmung ist entspannt höflich, es wird nicht gedrängelt, auch nicht, wenn mitten auf dem Gehweg plötzlich ein Pläuschchen abgehalten werden muss.

Also, nicht drängeln und nicht drängeln lassen.

Es wird auch brav angestanden und im Bus steigt man vorne ein.

Ganz auffällig: Man bedankt sich ständig, die Dame sagt „Obrigada“, der Herr „ Obrigadu“, wird zwar mit „O“ geschrieben, aber als „U“ gesprochen.

Bitte nie spanisch danken!!

(ich habe einen Sprachkurs bei Babbel gebucht, die Sprache ist reizvoll fremd und doch bekannt- mysteriös)

Das ständige Bedanken hat vielleicht auch was mit Distanz schaffen zu tun. Ich weiß es nicht genau, aber es kam mir etwas so vor. Etwas asiatisch maskenhaftes?

Ich weiß es nicht.

Aber es ist entspannt.

In einem Geschäft sah ich ein T-Shirt mit dem Aufdruck: 15 Minuten Verspätung ist in Portugal ok.

Der Reiseführer sagt, Pünktlichkeit sei keine geachtete Tugend in Portugal. Egal, wir waren nicht darauf angewiesen, der Flieger ging auch zu spät.

Möglicherweise liegt das alles an der Legalisierung von Cannabis in kleinen Dosen zum Eigengebrauch. Diese, meiner Ansicht nach sinnvolle, Handhabung macht aber eigentlich nur Sinn, wenn die Versorgung durch transparente Kanäle erfolgt. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, es gibt durchaus Dealer.

 

Was haben wir mitgenommen?

 

Viele Leute, die vor uns da waren, meinten, zehn Tage Lissabon wären zu lang, so viel hätte die Stadt nicht zu bieten.

Wir teilen diese Ansicht garnicht.

Wir haben einen Eindruck bekommen, haben großartige Tage dort verbracht und schöne Erinnerungen mitgenommen. Auch in materieller Form.

Wir fahren bestimmt nochmal hin, vielleicht auch mal nach Porto.

Habe ich es schon erwähnt?

Lissabon könnte mit Kapstadt auf Platz zwei unserer Hitliste stehen.

 

 

Gute Reise !